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MATERIAL - Die Bauten von H.F. Kistner

Architektur ist das gebaute Gedächtnis einer Stadt. Eng damit verbunden ist in Bremerhaven die Firma H. F. Kistner, gegründet 1853 in Lehe, die mit den
Erzeugnissen aus ihrer Kalksandsteinfabrik und als Baugesellschaft über 150 Jahre lang einen großen Anteil daran hatte. Ihr Gründer, der Mauermeister
Heinrich Friedrich Kistner war einer der ersten, der das große Potential des neuen Baumaterials Kalksandstein erkannt hatte. In seiner Fabrik wurden ab
1904 die Steine produziert, die als Baumaterial das Stadtbild Bremerhavens entscheidend geprägt haben. Doch nicht nur als Hersteller von Baumaterial,
sondern auch als Baugesellschaft war die Firma Kistner eng mit der Architektur- und Stadtgeschichte Bremerhavens in den verschiedenen Phasen ihrer
Entwicklung verbunden. Darüber hinaus lassen sich anhand der Bauten, an denen die Firma H.F. Kistner in unterschiedlichen Funktionen beteiligt war,
vielfältige Bezüge zur Architekturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts herstellen.

Die ehemalige Produktionsstätte des Materials Kalksandstein, die Tonnendachhalle, in der die Steinpressen standen, wird nun zu einem temporären,
historisch-authentischen Ausstellungsort. Die Ausstellung verknüpft den Produktionsort mit seinem Ergebnis - der Ort, an dem der Kalksandstein in Form
gepresst und gehärtet wurde, und die Bauten, in denen er seine Bestimmung fand. Die speziell für diesen Ort neu konzipierte künstlerische Arbeit der
Fotografin Christine Kisorsy nimmt die Fassaden ausgewählter Bauten in den Blick und setzt den Fokus auf Details, welche den einmaligen Farbenreichtum
des von Kistner hergestellten Materials und die Variationsbreite der architekturstilistischen Formen der von der Baugesellschaft errichteten Gebäude
zeigt. Strukturen, feine Risse, Witterungsspuren und filigrane Fugenmuster machen sichtbar, wie der Stein Teil der gebauten Umwelt wurde.
Ausbesserungen und Fehlstellen zeugen von Reparaturen, Umnutzungen und Überformungen und dokumentieren damit auch den Wandel der Stadt.

Ausstellung: 5.August – 31.Dezember 2025
Tonnendachhalle auf dem Kistnergelände
Hafenstraße 56-60
27576 Bremerhaven
Zugang über den Geestewanderweg

geöffnet täglich 24/7
Eintritt frei

MATERIAL ist ein Projekt von Christine Kisorsy und KulTurbo e.V.

Mit freundlicher Unterstützung durch die B.Wübben GmbH & Co. KG
und enercity AG
Gefördert durch:
Dieckell-Stiftung, Kulturstiftung der Weser-Elbe-Sparkasse, Kulturamt der Stadt Bremerhaven

QUADRAT IST MODERN

Die City-West und besonders der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wurden nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges zum
Schauplatz architektonischer Transformationen. Aufgrund der besonderen politischen Situation und der begrenzten Fläche befand
sich die westliche Halbstadt Berlins in einem Spannungsfeld verschiedener städtebaulicher Ansätze.
Gerade die 1960er bis 1980er Jahre waren eine Zeit des Aufbruchs und der Kontraste. Baulücken wurden geschlossen, Brachflächen
bebaut und der Stadtraum neu definiert. Es entstanden neben visionären Entwürfen, die das Bild einer zukunftsorientierten Stadt prägten,
auch Zweckbauten das für alltägliche Leben.

Die Ausstellung widmet sich der breiten Vielfalt dieser architektonischen Formensprache, welche von Wohn- und Geschäftshäusern, über
Bauten für die öffentliche Verwaltung bis hin zu Großprojekten, wie z.B. die Autobahnüberbauung an der Schlangenbader Straße reicht.
Die Fotografien zeigen einen Blick auf die architektonischen Lösungen in einer Zeit, die geprägt war von Experimentierfreude und
Pragmatismus. Visuell vereint sie alle das Quadrat als universelle Bauform. Es diente als Grundlage für Rasterstrukturen, die sowohl in der
Gestaltung von Fassadendetails als auch in Grundrissen Anwendung fand.
Diesen formellen Ansatz greift das von Christine Kisorsy gestaltete Konzept auf. Sie ordnet die Fotografien nicht chronologisch oder
thematisch, sondern definiert den Stadtraum als „Arbeitsoberfläche“ und gruppiert darauf die Fotos nach ästhetischen Gesichtspunkten, so
dass neue urbane Typologien entstehen.

29.06.2025–30.12.2025
Öffnungszeiten: Fr – So 14–17 Uhr
Schoeler Schlösschen
Wilhelmsaue 125
10715 Berlin

Januar - März 2025
Kommunale Galerie Berlin
Hohenzollerndamm 176
10713 Berlin

COLUMBUSBAHNHOF

Der Columbusbahnhof in Bremerhaven ist ein Stück gebauter Geschichte und dies nicht nur aus architektonischer, sondern auch aus
hafenbautechnischer und migrationshistorischer Sicht. Das letzte erhaltene Gebäude des Ensembles "Columbusbahnhof" ist die 1962
fertiggestellte „Fahrgastanlage II“.

Vom Columbusbahnhof wanderten bis 1974 Menschen aus und suchten ihr Glück jenseits der Heimat. Auch die Eltern der Fotografin
Christine Kisorsy, die sich erst in Amerika kennenlernten, machten sich von hier aus auf den Weg. Mit Ihrer Kamera hat sie sich 2022
im Columbusbahnhof auf eine fotografische Erkundung begeben. Die entstandenen Fotos erfassen in einzigartiger Weise die Spuren,
nicht nur der eigenen Geschichte in der Gegenwart. Sie sind auch von bauhistorischer Bedeutung, da sie in Innen- und Außenaufnahmen
den Zustand des Gebäudes und der Kaje zu einer Zeit zeigen, als der Zugang für die Öffentlichkeit nicht möglich und die Zukunft der
Gebäudes ungewiss war.
In der Ausstellung ist eine Auswahl von 30 Farbfotografien zu sehen. Sie nehmen die lichtdurchflutete gradlinige Eleganz der 1960er-
Jahre-Architektur von Helmut Bohnsack in den Blick und setzen auch den Fokus auf Details der von Bodo Sturmheit entworfenen
Inneneinrichtung. Das Titelmotiv der Ausstellung zeigt einen der versperrten Zugänge zu den ehemaligen Passagen. Es symbolisiert
damit sowohl den Übergang in eine zu Ende gehende Ära der Transatlantiklinienpassagierschiffahrt, für welche die „Fahrgastanlage II“
einst gebaut wurde, als auch die ungewisse Zukunft dieses mit Erinnerungen aufgeladenen Ortes.

COLUMBUSBAHNHOF

Fotografien von Christine Kisorsy
14.09.2024–01.12.2024
Öffnungszeiten: Di–So 10–17 Uhr

Historisches Museum Bremerhaven
An der Geeste
27570 Bremerhaven

Fotos: Christine Kisorsy Zeichnung: Badekostuem um 1928 Helen Ernst - Staatliche Museen zu Berlin - Kunstbibliothek

AM LIDO - AUSSTELLUNG IM STRANDBAD WANNSEE VON APRIL BIS AUGUST 2023

Der „Lido von Berlin“ wird das Strandbad Wannsee auch genannt. Es wurde in den Jahren 1928 bis 1931 von dem visionären Stadtbaurat Martin Wagner
und Magistratsoberbaurat Richard Ermisch als Reaktion auf den steigenden Bedarf an Naherholungs-, Freizeit-, und Sportanlagen der enorm wachsenden
Metropole Groß-Berlin erbaut. Heute gehört das Strandbad Wannsee mit seiner Stahlskelettkonstruktion und den gelben Klinkersteinen, den breiten
Sonnenterrassen und weitläufigen Promenaden zu den herausragenden Bauten der „Neuen Sachlichkeit“ und ist ein architektonisches Sinnbild für den
demokratischen Aufbruch der Gesellschaft der Weimarer Republik.

Ebenso wie die neuen Formen in der Architektur ein Ausdruck für eine sich wandelnde Gesellschaft waren, so war es die Mode für die Emanzipation der
Frau – gerade in Bezug auf Badebekleidung. Nicht mehr hochgeschlossene, den Körper einengende Badekleidung, sondern kurzgeschnittene, mehr und
mehr dekolletierte und bequeme Einteiler ermöglichten den Frauen sportliche Freizeitbetätigungen im Wasser – frei und selbstbestimmt.

Das aus dem italienischen stammende Wort „Lido“, welches ungefähr gleichbedeutend ist mit „Strand“, weckt die Sehnsucht nach Sommer, Sonne, Urlaub
und Badefreuden. Die Ausstellung „AM LIDO“ greift dies auf und verwandelt eine der Hallen, in denen im Winter die Strandkörbe auf den nächsten
Sommer warten, in einen temporären Ausstellungsort.
Die fotografische Erzählung, inspiriert vom Stil der „Neuen Sachlichkeit“, zeigt auf Stofffahnen gedruckte Motive vom „Lido von Berlin“, dem Strandbad
Wannsee in Bezug gesetzt zu Schwarz-Weißfotos vom „Lido an der Côte d’Azur“ in Nizza. Ergänzt werden diese Fotos durch Reproduktionen historischer
Entwürfe von Bademoden aus der Bauzeit des Strandbades. Die originalen Vorlagen stammen aus der Kunstbibliothek, deren berühmte Sammlung
Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek eine der weltweit größten Bilder- und Büchersammlungen zur Geschichte der Mode ist.

Dieses kulturelle Freizeitangebot wird realisiert mit freundlicher Unterstützung durch die Berliner Bäder-Betriebe und die Kunstbibliothek der Staatlichen
Museen zu Berlin. Es ermöglicht, künstlerische Fotografie aus verschiedenen Zeitabschnitten außerhalb eines musealen Kontextes zu erleben.

Strandbad Wannsee
Wannseebadweg 25
14129 Berlin

GROSCHENGLÜCK

An so mancher verwitterter Hauswand führen sie ein Schattendasein und warten darauf, dass sie jemand in Betrieb nimmt:
Kaugummiautomaten. Die mit Kaugummi und Spielzeug gefüllten bunt lackierten Metallkästen mit Sichtfenster wurden ab den 1950er
Jahren zu einem festen Bestandteil der städtischen Lebenswelt und prägten die Kindheitserinnerungen jener Generationen, die in der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in West-Deutschland aufgewachsen sind.
Doch Kaugummiautomaten verschwinden zunehmend aus dem Stadtbild, denn die immer noch mechanisch funktionierenden Automaten
passen nicht mehr in eine zunehmend technisierte Welt. Aus den sanierten und gentrifizierten Vierteln der Innenstädte sind sie längst
verschwunden, doch in manchen Kiezen haben sie überlebt. Die verbliebenen Automaten trotzen anachronistisch ihrer Umwelt, mit der sie
um so mehr verwachsen scheinen, je mehr sie in Vergessenheit geraten. Sie werden mit Graffiti und Aufklebern als alltägliches
Kommunikationsforum genutzt, sind aber inzwischen selbst zu „Museumsstücken der Alltagskultur“ geworden.
Wer eine Stadt und seine Bezirke aus diesem Kontext heraus kennenlernen möchte, kann sich auf die Suche nach den
Kaugummiautomaten begeben und wird bald feststellen, das sie ein Indikator sind für die Lebenswelten und den sozialen Status seiner
Bewohner.

Oktober - November 2025
Staatsbiblithek zu Berlin
Unter den Linden 8
10117 Berlin

September 2021
ARTSPACE BREMERHAVEN
Bürgermeister-Smidt-Strasse 218
27568 Bremerhaven

Juli - August 2017
Mapping Berlin
Galerie Wedding - Raum für zeitgenössische Kunst
13353 Berlin

Die Nacht. Alles außer Schlaf

Mit der Elektrifizierung und dem Aufkommen der ersten Leuchtreklamen um die Jahrhundertwende hat sich das
Nachtbild der Städte verändert: Aus den zuvor mit Gaslaternen nur mässig beleuchteten Großstädten wurden
Metropolen, strahlend vor neuem Selbstbewusstsein.

Die leuchtenden Schriftzüge verwandelten nach Einbruch der Dunkelheit den Bouvevard in eine Bühne, bevölkert
von Flaneuren und Vergnügungssuchenden. Die illuminierte nächtliche Großstadt mit ihren Geschäften, Hotels
Kinos, Restaurants und Tanz-Bars sendete ihre Botschaften von Verlockungen und vom schillernden Zauberglanz
der Warenwelt aus. Die Bilder von erleuchteten Prachtboulevards sind ein Teil unseres visuellen Gedächtnisses
geworden. Mit Leuchtreklamen aus Neon sind Bilder entstanden, die den Boulevard zur Ikone des urbanen
Lebens gemacht haben.

Die Installation "Neon-Boulevard" von Christine Kisorsy wurde eingeladen als Ausstellungsbeteiligung der Sonderausstellung "Die Nacht. Alles außer Schlaf" von der Museumsstiftung Post und Telekommunikation.

2017 im Museum für Kommunikation Berlin
2018 im Museum für Kommunikation Frankfurt am Main
2018/2019 im Museum für Kommunikation Nürnberg

HOTEL LUNIK - Portraits von Menschen und Räumen
Fotografien von Christine Kisorsy

Kaum ein Ort ist mit so vielen verschiedenen menschlichen Schicksalen verknüpft wie ein Hotel. Hotels sind Mikrokosmen - sie führen die
Welt an einem Ort zusammen. Und sie sind Transiträume, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander treffen und sich
begegnen. Hotels sind Orte in der Fremde, die vorübergehend zu einem Zuhause werden. Doch wer dort arbeitet, für den wird es zu einem
zweiten Zuhause.
Hotels gehörten auch zum gebauten Gedächtnis einer Stadt. Doch was den Mythos lebendig hält und seine Geschichte fortschreibt sind die ,
Menschen, die das Hotel ein Leben lang begleitet hat. Für sie ist es mehr als nur ein Gebäude, es ist ein Teil ihrer Biografien.

Ein Hotel, das fest in der kollektiven Erinnerung einer Stadt verankert ist, ist das Hotel LUNIK in Eisenhüttenstadt. Eröffnet 1963 als erstes
Haus am Platze, wurde es schnell zum Wahrzeichen der neuen sozialistischen Planstadt. Das Hotel war ein gesellschaftlicher und gastro-
nomischer Mittelpunkt der Region. Über 30 Jahre lang empfing das Hotel LUNIK Gäste. Sie schliefen in seinen Zimmern, speisten im
Restaurant und vergnügten sich in der Nachtbar. Heute steht es leer und wartet auf eine neue Nutzung.

Die Fotografin Christine Kisorsy begab sich auf die Suche nach den ehemaligen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Hotels LUNIK.
Einige von ihnen waren bereit,, an ihren einstigen Arbeitsplatz zurückzukehren und sich dort fotografieren zu lassen.

März - September 2024
Temporäre Galerie Lindenallee 4 mit freundlicher Unterstützung durch die GeWi Eisenhüttenstadt

November 2015
Metropolis-Kino, Hamburg

Mai - Juli.2015
Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Eisenhüttenstadt

À propos de nice

Die Fotoserie „À propos de Nice“ führt den Betrachter zu einem der Sehnsuchtsorte des „alten Europa“. NIzza, die Stadt an der französischen Riviera, wurde durch ihr mildes Klima Anfang des 20. Jahrhunderts Zufluchtsort der Europäischen Oberschicht vor den kalten Wintern und konformem Alltagsdasein. Durch das besondere Licht wurde die Stadt zur Inspirationsquelle für Fotografen und Filmemacher, wie z.B. Jean Vigo. In seinem Dokumentarfilm "À propos de Nice" (1930) zeigt er anhand von unterschiedlichen urbanen Strukturen und der Gegenüberstellung von Lebenswelten auf den mondänen Bouldevards und in den Elendsvierteln die Gegensätze von "arm" und "reich".

Die gesellschaftlichen Gegensätze gibt es auch heute noch, doch werden sie anders sichtbar - wie in vielen ehemals mondänen Badeorten, in denen der Mythos verblasste und längst von einer neuen Wirklichkeit eingeholt wurde. Aus dem einstigen Prachtboulevard wurde eine Zufahrtsstrasse zum Flughafen, aus einem Stadtpalais ein Einkaufszentrum und immer mehr Einwohner werden durch soziale Verdrängung gezwungen, ihre Wohnungen und Häuser im Stadtzentrum zu verkaufen und in die billigeren Gebiete am Stadtrand zu ziehen. Auch hier in Nizza haben sich Parallelwelten gebildet, die mit den eleganten, palmengesäumten Alleen nichts mehr zu tun haben.

Ein Projekt von Movement for Galleries im Rahmen des 6. Europäischen Monats der Fotografie Berlin
16.Oktober - 15.November 2014